Erfahrungsbericht: Olivia, 25, Projektmitarbeiterin





Ich heiße Olivia und bin 25 Jahre alt. Am 15. Juli 2017 starb meine Mutter an 

den Folgen ihrer Brustkrebserkrankung und im selben Jahr im Oktober wurde mein 

Vater mit einem Gehirntumor diagnostiziert. Beide Male war die Diagnose ein 

Schock, beide Male habe ich den Tod erlebt, gespürt. Meine Erfahrung beginnt aber 

nicht mit dem Tod meiner Eltern, viel mehr beginnt sie mit der Vorbereitung zum 

Tod, die Jahre die meine Eltern zum Sterben gebracht haben, und mit meinem 

Wunsch, bis zum Ende für sie da zu sein. Denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass 

wenn man sich bei einem krebskranken Menschen dazu entscheiden kann zu bleiben, 

der Tod der einzige Ausweg ist.

Was mich immer geschockt hat, ist die brutale Art und Weise wie der Krebs dich 

deiner Lebensenergie enteignet, wie er sich langsam anschleicht und dir die Sinne und 

die Macht über deinen Körper nimmt. In meiner Erfahrung gab es keine Erfolge im 

Sinne von Heilung; die Erfolge waren eher, dass meine Mutter beim Duschen und 

Umziehen nicht umgekippt ist oder dass mein Vater für einen Tag noch mit mir reden 

konnte. Es waren die kleinen Dinge, die mir noch Hoffnung gegeben haben, denn ich 

wusste wie es hätte enden können, ich wusste, dass morgen alles vorbei sein könnte. So 

habe ich mich drei Jahre lang zwischen Leben und Tod jongliert, bis am Ende beide 

meine Eltern an Krebs verstarben.

Was ist es, was uns Menschen ausmacht? Ich finde, es ist auch die Hoffnung. Wir 

hoffen, dass es unserer Familie gut geht, wir hoffen, bald diese neue Arbeitsstelle 

antreten zu können. Wir hoffen, dass das Leben so bleibt, wie wir es uns wünschen 

und am bequemsten haben. Natürlich habe ich immer gehofft, dass meine Mutter 

nicht sterben würde, dass das alles ein großer Scherz ist und dass sie bald wieder 

aufwachen oder gehen würde. Natürlich habe ich gehofft, dass die Diagnose meines 

Vaters ein Fehler war und dass er die Worte nur kurz vergessen hat. Doch die 

Wahrheit sah anders aus und ich konnte es nicht begreifen. Mein Leben mit dem Tod 

und der Trauer meiner Eltern hat mir eine andere Art der Hoffnung gezeigt; und 

dafür musste ich erstmal die Realität in den Augen sehen.

Meine Hoffnung liegt voll und ganz im Hier und Jetzt. Ich hoffe, dass ich heute 

noch weiterleben kann. Ich hoffe, heute jemandem ein Lächeln schenken zu können. 

Ich hoffe, heute meine Trauer in Motivation umzuwandeln. Meine sterbenden Eltern 

haben mir gezeigt was es bedeutet ein endliches Leben zu haben, begrenzte Zeit in 

dieser Existenz. Sie haben mir beigebracht heute zu kämpfen und mein Bestes zu tun, 

weil ich nicht weiß ob ich morgen noch hier sein werde. Das Begreifen der eigenen 

Sterblichkeit bringt einem die Möglichkeit ein offenes Leben zu führen, ein Leben 

voller Versuche, diesen Moment unvergesslich zu machen. 



In den Jahren vor dem Tod meiner Mutter und meines Vaters habe ich mich stets 

bemüht für sie da zu sein, egal wie viele Flüge und Überstunden sich anhäufen 

würden. Die vielen Reisen waren geprägt von einem tiefen Schmerz, die mir oft die 

Luft genommen hat: Wer weiß, wann dieser Anruf kommt, wer weiß, ob es dann zu spät ist. 

Und irgendwie war es immer zu spät, zu spät um zurückzukehren, zu spät um es 

wieder gutzumachen. Zu spät um zu helfen. Egal wie oft ich geflogen bin, wie lang ich 

bei meinen Eltern war, jeden Abschied fühlte sich an wie sterben. Deshalb beginnt 

eigentlich meine Erfahrung als meine Eltern gekämpft haben und noch am Leben 

waren. Indem ich sie begleitet habe, musste ich mich jeden Tag etwas mehr von ihnen 

verabschieden. Und doch so hart wie es war, ist es genau das, was mir jetzt hilft, ohne 

sie zu leben. Die Hoffnung habe ich nie aufgegeben, aber ich hoffe nicht mehr das 

Leben anderer retten zu können, sondern ich richte meine Hoffnung auf mich und 

bemühe mich heute die richtigen Ursachen für meine Zukunft zu setzen. 

Loslassen ist etwas, was mir so schwerfällt, es zerreißt mich innerlich zu wissen, 

dass etwas zu Ende geht, dass es für immer vorbei ist, und ich es nicht festhalten kann. 

Doch ist nicht unser ganzes Leben eine ewige Veränderung? Meine Annahme, alles 

würde für immer so bleiben wie es ist, hat mir letztlich unermessliches Leiden 

gebracht und das einzige was geblieben ist, ist die Liebe, die ich für meine Eltern habe. 

Selbst dieses Gefühl verändert sich ständig, formt sich neu. Genau das ist es. Es formt 

sich neu, verschwindet aber nicht. Der Schmerz der Trennung ist unendlich, aber ich habe 

mich auf eine Reise begeben, die mir eigentlich zeigen will, dass nichts wirklich zu 

Ende geht, nichts aufhört zu existieren. Viel mehr nimmt die Liebe neue Formen, die 

Trauer neue Dimensionen an. Mal ist sie tiefer, mal schwimmt sie an die Oberfläche. 

So wie die schmerzhaften und schönen Erinnerungen, sie ist immer da; mal mehr, mal 

weniger. Mir ist bewusst, dass ich für den Rest meines Lebens trauern werde, aber 

auch, dass ich gleichermaßen für den Rest meines Lebens lieben werde. Dass diese 

Gefühle mich immer begleiten werden, und dass dieser Prozess der Veränderung 

eigentlich die Vergänglichkeit unserer Körper und Existenzen ähnelt. 

Wenn etwas stirbt, verändert sich die Form des Daseins, hört aber nicht auf zu 

existieren. So möchte ich an meine Eltern denken: Menschen, die mir Liebe gegeben 

haben, dieselbe Liebe die jetzt in mir lebt und weitergegeben wird. Menschen, die ich 

gehen lassen musste, die mich aber nicht verlassen haben. Menschen die gestorben 

sind, deren Genen aber für immer in mir weiterleben, für den Rest meines Lebens. 

Diese Erkenntnis konnte ich nur dann gewinnen, als ich mich der Wahrheit geöffnet 

habe. Eine schmerzhafte, aber dadurch auch heilende Wahrheit, die wahre Natur des 

Lebens. 



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